Klassik - 2016

17. Januar 2016 - Tonhalle, Zürich

JOHANNES BRAHMS: Ein deutsches Requiem, Op. 45

Camilla Tilling (Sopran), Christian Gerhaher (Bariton)
Zürcher Sing-Akademie (Tim Brown)
Tonhalle-Orchester Zürich
Bernard Haitink

Ein paar Worte nur, da ich mit solcher Musik mich nicht annähernd so vertraut fühle wie mit den Beethoven-Sonaten von neulich - soviel nur: schwer beeindruckend! Haitink dirigierte ziemlich zurückhaltend, aber die Zusammenarbeit mit dem Orchester funktionierte meist hervorragend (ich glaubte, an einigen Stellen ein paar Ungenauigkeiten zu hören, aber ich mag irren), die Gestaltung des Werkes überzeugte mich soweit ich das sagen kann (ich kenne es noch nicht sehr gut, erst drei-, viermal gehört, jüngst - wohl zum zweiten Mal - die Kempe-Einspielung mit Grümmer/DFD, die ich sehr gut finde).

Was mich zu Beginn und auch später immer wieder schwer beeindruckt hat war das Piano, das das Orchester - ohne Ausdünnung wenigstens soweit ich es sehen konnte (die Streicher nur, aber um die ging es gerade) - hinkriegte, da spielten - und manchmal: sangen - sie alle, und man hätte wohl ein Blatt auf den Boden fallen hören. Und dann die Steigerung, die förmlichen Explosionen, Momente, in denen die Musik auch heute noch ziemlich modern wirkt (schwer abzuschätzen, wie das damals wohl gewirkt haben muss, müsste ich mal ein wenig nachlesen). Der Chor war mindestens so eindrücklich wie das Orchester, und die Solisten ebenfalls überzeugend, Gerhaher wurde meinen hohen Ewartungen jedenfalls gerecht und Tilling hatte den undankbaren Part, meist tatenlos dazusitzen, aber ihre Einsätze waren ebenfalls toll. Am Schluss gab es, dünkte mich, zwar keinen wahnsinnig stürmischen, aber sehr langen Applaus.

Ein längerer Auszug aus Christian Wildhagens sehr treffender Rezension in der NZZ (18. Januar 2016):
Gerhaher ... machte mit dem ersten Ton, seinem mahnenden Ausruf «Herr, lehre doch mich, dass ein Ende mit mir haben muss», deutlich, dass die Botschaft dieses dritten Satzes mehr ist als ein kollektiv an die Gemeinde der Zuhörer gerichtetes Memento mori. Das Wissen um die Sterblichkeit bedeutet vielmehr eine existenzielle Erschütterung, es muss jeden Einzelnen auf sich selbst zurückwerfen und unterläuft alle Gewissheiten. «Mein Leben ist wie nichts vor dir», singt Gerhaher, und in dem fahlen, tonlosen «nichts» scheint die Einsamkeit des Gott- und Sinnsuchers auf, der angesichts des Todes allen Glauben verliert.

Immer wieder neu fasst Gerhaher die Wendung «. . . und ich davon muss»: einmal als Aufbegehren, ein andermal als resignierendes Niedersinken, bis der visionäre Weckruf dieses predigenden Zweiflers schliesslich die Sängerinnen und Sänger der Zürcher Sing-Akademie ergreift: «Nun Herr, wes soll ich mich trösten?», fragt der Chor, doch es klingt nicht wie eine Frage, eher wie ein Schrei aus tiefster Not. Dieser emotionale Höhepunkt der Aufführung markiert den Durchbruch zu radikaler Subjektivität, er sprengt die formale Ordnung auf und stellt die dem Werk einkomponierte Leitidee einer Tröstung im Glauben umfassend infrage.

[...]

Dass Brahms hier unversehens selbst als Gläubiger wie als Zweifler erkennbar wird, ist nicht zuletzt Bernard Haitink zu verdanken, der eine selten gewordene Dirigenten-Tugend bewahrt: nämlich die Kunst des unprätentiösen Gewährenlassens. Gerade in den eng miteinander korrespondierenden Aussensätzen bringt er die Musik in grosszügiger Disposition und mit weitem Atem zum Sprechen, ohne sie aber subjektiv zu überformen. Auch der fünfte Satz mit der entschwebenden Jenseits-Verheissung des Solosoprans «Ich will euch wiedersehen» atmet eine fast unirdische Gelassenheit. Umso frappierender die Wirkung, wenn ebendiese Glaubensgewissheit jäh ins Wanken gerät.
Quelle: www.nzz.ch/feuilleton/buehne/im-zweifel-fuer-den-glauben-1.18678871
(Zugriff am 30. Mai 2016)

Weitere Links:
Haitink im Interview, Tagesanzeiger, 14. Januar 2016
Der Neue Merker: Rezension des ersten Konzertes vom 15. Januar

: : . : : . : :

19. April - Tonhalle, Zürich

WOLFGANG AMADEUS MOZART
Klaviersonate Nr. 12 F-Dur KV 332
Klaviersonate Nr. 18 D-Dur KV 576

FRÉDÉRIC CHOPIN
Nocturne b-Moll op. 9 Nr. 1
Nocturne Es-Dur op. 9 Nr. 2
Nocturne H-Dur op. 9 Nr. 3
Nocturne Nr. 20 cis-Moll op. posthum
Nocturne fis-Moll op. 48 Nr. 2
Nocturne g-Moll op. 37 Nr. 1
Nocturne H-Dur op. 32 Nr. 1

Zugaben: FAZIL SAY

Fazil Say Klavier

Nur ein paar lose Gedanken: KV 332 begann zunächst ziemlich trocken - so auch Says Auftreten am ganzen Abend: zügig zum Flügel, kurzer Knicks, hinsetzen und losspielen noch bevor der letzte Applaus ganz verhallt ist. Doch bald begann die Musik lebendig zu werden, Say spielte mit dem Tempo, mit der Dynamik - und das steuerte unweigerlich auf den Moment zu, wo man sich fragt: ist das jetzt Mozart oder Say? Nicht dass mir an der Klärung dieser Frage viel gelegen wäre, aber der Zugriff schien mir sehr persönlich und letzten Endes wohl nicht immer gänzlich nachvollziehbar. Ähnlich ging es weiter mit KV 576, diesmal ohne trockenen Beginn sondern gleich in medias res.

Nach der Pause dann Chopin, und da gelangen Say, so fand ich, immer wieder bezaubernde, ja berückende Momente. Ob er dem Programm genau folgte, vermag ich nicht zu sagen, ich kenne die Nocturnes nicht einzeln, auch wenn sie mir als Werkkorpus ziemlich vertraut sind. Das war alles ziemlich kompakt (zweimal 35 Minuten, der zweite Block ev. etwas länger?) und man wunderte sich mal wieder über die Notwendigkeit der Pause (die hat wohl rein ökonomische und ev. geriatrische Gründe). Anyway, es folgte ein dritter, kürzerer Block mit Zugaben, Eigenkompositionen von Say wohl, von denen wenigstens die mittlere mit ihren simplen süffigen Changes (die vage an die Melodie von "M.A.S.H.", aka "Suicide Is Painless" erinnern) mir vertraut vorkam, wohl einst am Radio gehört bei einem anderen Say-Konzert. Das Publikum war sehr gemischt, es schienen auch ziemlich viele türkischstämmige Leute anwesend zu sein, nach der ersten Zugabe erhoben sich manche, nach der zweiten etwas mehr, bei der dritten Griff Say dann ins innere des Flügels (hübsch, aber pardon, aus dem Jazz kennt man da so viel mehr und Interessanteres) - und damit hatte er dann seine Standing Ovation ... eine letzte Verbeugung und exit.

Fällt mir schwer ein Fazit zu ziehen, ich war auch zu müde an dem Abend, um an ein Konzert zu gehen, hatte aber eine ordentlich teure Karte (auf dem Podium in der linken Ecke, konnte halbwegs auf die Hände sehen, der Klang war erstaunlich gut und die Nähe zum Geschehen ist schon etwas, was ich schätze) und wollte auch hingehen ... aber insgesamt war das etwas zwiespältig, Chopin das Highlight, die Zugaben für mich dann eher etwas überflüssig, aber es sei ihm unbenommen, seine eigenen Sachen zu spielen, an sich finde ich das ja durchaus unterstützenswert, bloss waren die drei Stücke nicht wirklich mein Fall.  


: : . : : . : :

12. Juni - Kleiner Saal, Tonhalle, Zürich

L'état, c'est moi - Musik am Hofe des Sonnenkönigs (Kammermusik-Matinee)

FRANCOIS COUPERIN: "La Françoise" (aus: "Les Nations", Premier ordre)
MICHEL PIGNOLET DE MONTÉCLAIR: "La Mort de Didon", "Europe" (Cantates)
JEAN-BAPTISTE LULLY: "Trios pour le Coucher du Roi" (aus: "Trios de Chambre du Roi", LWV 35)

Alice Borciani Sopran
Esther Pitschen Amekhchoune Flöte
Cornelia Angerhofer Violine
Andreas Sami Violoncello
Margarete Kopelent Cembalo
Emanuele Forni Laute


Heute morgen ein etwas seltsames Konzert mit Kammermusik aus der Zeit von Louis XIV - seltsam, weil das gigantische Cembalo eher zu deutscher Musik des frühen 19. gepasst, weil Violine und Cello wohl mit Stahlsaiten (beides, ebenso wie die Flötistin, die aber ein Holzinstrument vermutlich älteren Datums bzw. einen Nachbau spielte, Mitglieder des Tonhalle-Orchesters) bestückt waren ... daneben ging die Laute von Emanuele Forni etwas unter (wenn das Cembalo gleichzeitig spielte, merkte man grad noch knapp, ob die Laute mitspielte oder nicht). Aber lohnenswert war das alleweil, denn wann kriegt man schon Suiten von Couperin ("La Françoise") und Lully ("Trios pour le Coucher du Roi" aus LWV 35) im Konzert zu hören?



Der Hauptgrund hinzugehen war allerdings der Mittelteil, für den die Sopranistin Alice Borciani dazustiess. Sie sang zwei Kantaten von Michel Pignolet de Montéclair (und das hört man nun ganz bestimmt nicht alle Tage im Konzert), zuerst "La Mort de Didon" und danach "Europe" - und sie überspielte mit ihrem Charme locker das etwas unausgewogene Begleitensemble, das auch zusätzlich animiert wirkte (und etwas von dem Schwung in den abschliessenden Lully hinüberrettete, der Couperin vom Beginn wirkte im Vergleich etwas müde).

: : . : : . : :



30. Juni - Verona, Arena
 
GIUSEPPE VERDI: Aida

Letzten Donnerstag war ich zum Abschluss meiner kleinen Italienreise in Verona in der Arena, man gab Verdis „Aida“. Ich sass hinten, ungefähr mittig, aus klangtechnischen Gesichtspunkten vielleicht etwas zu weit oben, ausgerüstet mit dem billigen Feldstecher (der mir v.a. bei den Mosaiken in Ravenna schon beste Dienste geleistet hatte – ohne würde man da vieles überhaupt nicht sehen, oftmals sind die besten Dinge hoch oben unter dem Dach).

Die monumentale Inszenierung fand ich ziemlich beeindruckend, „Aida“ war für den Rahmen gewiss die richtige Wahl (ich würde mir niemals die ebenfalls gespielte „Traviata“ in diesem Rahmen anschauen wollen, eher vielleicht „Turandot“, „Carmen“, „Nabucco“ oder sowas). Der zweite Akt war wohl das Highlight, während die stilleren, intimen Szenen nicht so gut funktionierten. Wie die Stimmen die riesige Arena ausfüllten, fand ich beeindruckend, das Orchester war da schon eher etwas problematisch. Aber bei der doch grossen Distanz war das alles recht leise und die bekloppten Touristen, die das Geräusch ihrer Handykameras nicht ausschalten können, nerven dann ziemlich, ebenso die bekloppten Leute, die da überhaupt sitzen und denen man halt zuhören muss, wenn sie nicht die Klappe halten können (Deutsche und Österreicher vor allem, teils reisen die am Vormittag an, machen wohl oberflächlichstes Sightseeing, dann in die Oper und über Nacht gleich wieder mit dem Reisebus heim).

Insgesamt dauerte die Aufführung etwa vier Stunden, besonders die enorm lange Umbaupause (fast 40 Minuten) zwischen den kurzen letzten zwei Akten war sehr mühsam und zerriss die Aufführung ziemlich (unten das Bühnenbild für den Schlussakt, da wurde wirklich umgebaut, zudem mussten – wohl wegen des zunehmenden Windes – die beiden Obelisken fixiert werden, die nun merklich schief standen). Allerdings hat sich das Ganze am Ende unbedingt gelohnt, unabhängig vom Spektakel und teils doch anstrengenden Publikum. In Sachen praktische Tipps: man kann wohl reinnehmen, was man will (allenfalls will jemand in die Tasche gucken, aber gesehen habe ich das nicht), einfach keine Glasflaschen … bzw. wenn man eine solche dabei hat und öffnet, kommt halt einer und man muss den Wein in Plastic-Becher umfüllen – immer noch besser als ihn becherweise für 5€ zu kaufen (was ich getan hatte, hatte mich brav an die Vorgaben gehalten, die man bei Online-Bestellungen am Vortag zugestellt kriegt). Wasser wird nicht mal erst verkauft (weil man dafür wohl nicht die pauschalen 5€ verlangen könnte, lohnt also gar nicht erst), und unter den Verkäufern hatte wenigstens einer eine stärkere Stimme als der Tenor, der den Radamès gab.

Die Infos (zum Abend des 30.6., der Cast wechselt die ganze Zeit – klick)

Aida, the opera in the Arena par excellence, will be displayed in its historical edition of 1913 under the direction of Gianfranco de Bosio.

Conductor: Julian Kovatchev

The King: Carlo Cigni
Amneris: Ildico Komlosi
Aida: Hui He
Radamès: Walter Fraccaro
Ramfis: Rafal Siwek
Amonasro: Ambrogio Maestri
A messenger: Francesco Pittari
High Priestess: Alice Marini

Director Gianfranco de Bosio
Choreographer Susanna Egri
Chorus Master Vito Lombardi
Ballet Coordinator Gaetano Petrosino
Director of Technical Operations and Stage Design Giuseppe De Filippi Venezia

Arena di Verona Orchestra, Chorus, Corps de Ballet and Technical team



: : . : : . : :


28. Oktober - Tonhalle Zürich, Grosser Saal

Tonhalle-Orchester Zürich
Donald Runnicles Leitung
Anja Harteros Sopran

Anton Webern: „Im Sommerwind“ Idylle für grosses Orchester
Richard Strauss: Ausgewählte Orchesterlieder
Richard Wagner: Auszüge aus „Götterdämmerung“

Der Auftakt mit Webern war süffig, Musik irgendwo zwischen Spätromantik und Hollywood, zwischen Pastorale und Stravinsky. Beschwingt, üppig, vollmundig und doch recht leicht … wird gewiss kein Lieblingsstück, scheint aber auch mit Weberns wichtigeren Werken (auf die ich sehr gespannt bin, grösstenteils noch in völliger Unkenntnis, gut Ding will eben Weile haben) auch wenig gemein zu haben.

Nach einer Viertelstunde folgte dann der Grund, warum ich in die Tonhalle: Anja Harteros mit Orchesterliedern von Richard Strauss. Der Reihe nach gab es:
Die heiligen drei Könige aus dem Morgenland Op. 56/6
Meinem Kinde Op. 37/3
Waldseligkeit Op. 49/1
Ruhe, meine Seele Op. 27/1
Morgen! Op. 27/4
Zueignung Op. 10/1
encore: Morgen! Op. 27/4
Die vier letzten Lieder hatte sie ein oder zwei Saisons früher unter dem neuen/bald-schon-nicht-mehr Chefdirigenten Lionel Bringuier gegeben, das hatte ich leider verpasst. Dieses Mal gab es andere Lieder unter dem schottischen Kapellmeister Donald Runnicles, der sein Tonhalle-Debut wohl letzte Saison gab (und am Donnerstag beim ersten von zwei identen Programmen bei Webern anscheinend abbrach, um nochmal von vorne anzusetzen – es habe, so der Rezensent der NZZ, fast nach dem Neutöner Webern geklungen, wo es dies eben gerade nicht tun sollte).

Runnicles‘ Dirigat war etwas gar gradlinig, etwas ruppig auch, nicht sehr auf Nuancen aus, was sich dann im Wagner bemerkbar machte, doch die Lieder mit Harteros gelangen wunderbar, die Solo-Violine (Andreas Janke wohl, wenn es denn derselbe war wie am Donnerstag, wovon ich mal ausgehe) war klasse, die Zartheit in „Meinem Kinde“ (mit kammermusikalischer Begleitung) bezaubernd. Harteros brachte selbst das zarteste Pianissimo perfekt – was für eine Stimme! Mein Highlight war erwartungsgemäss „Morgen“, das sie dann als Zugabe noch einmal sang – und es gelang ihr eine noch berührendere, noch zartere Version.

Nach der Pause dann Wagner, Auszüge aus der „Götterdämmerung“. Zum Einstieg Siegfrieds Rheinfahrt, dann Siegfrieds Tod und der Schluss des dritten Aktes. Wuchtige Musik, sehr beeindruckend besonders der mittlere Teil – aber eben: irgendwie auch etwas durchgespielt, zwar mit sattem Orchesterklang (da hat Bringuier für diese Art Musik wohl schon etwas geholfen, auch wenn dafür anderswo die Sensibilität etwas abnahm) aber ohne richtige Führung – es fehlte die Strenge und Unbedingtheit, die bei dieser Musik so nötig ist bzw. sie zum echten Rausch-Erlebnis macht (dieses fand so halbwegs statt, aber am Ende war es halt verpufft).

: : . : : . : :


16. DezemberTonhalle Zürich, Grosser Saal

Tonhalle-Orchester Zürich
Paavo Järvi Leitung
Steven Isserlis Violoncello

Sergej Prokofjew: Cellokonzert e-Moll op. 58
György Kurtág: Aus: „Signs, Games and Messages“ für Violoncello solo
Robert Schumann: Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 97 „Rheinische“

Gestern in der Tonhalle … neue Leute für mich, kenne weder Järvi noch Isserlis mehr denn oberflächlich. Das Prokofiev-Konzert kannte ich noch nicht, meine bisher einzige Einspielung kam lustigerweise gestern Nachmittag (in der Icon-Box von János Starker), lief dann auch mal rasch im Hintergrund, klang aber ziemlich anders als dann mit Isserlis, der schrammelte und kratzte, sein Cello nur selten singen liess. Mir kam das Konzert wie ein riesiges Pasticchio vor, zusammengeklebt und geschraubt aus Tausend kleinen Fragmenten und Ideen, Melodiefetzen, Geräuschen … es wirkte ziemlich disparat und inkonsequent und ich war mir auch keinesfalls sicher, ob das Orchester seinen Teil im Griff hatte (es handelte sich um die insgesamt vierte und letzte Aufführung des Programmes, dreimal ohne Kurtág, einmal über Mittag nur Prokofiev). Järvi und Isserlis schienen aber zufrieden zu sein, obwohl es auch noch einen Unterbruch gab – Isserlis hörte zu spielen auf, rief „Sorry!“, stimmte nach und dann ging es weiter (ich vermute mit dem Beginn des 2. Satzes, bin aber überhaupt nicht sicher, da alles am Stück gespielt wurde). Danach gab es knappe zehn Minuten Kurtág, das war unglaublich, aber das schon von Prokofiev teils überforderte Publikum war leider unruhig und die manchmal sehr leise Musik verlor sich im grossen Saal etwas.

Nach der Pause dann die dritte Symphonie von Schumann (seine letzte, doch die heute als vierte geltende wurde später noch einmal überarbeitet). Und da ging die Post ab (was die Überforderten nicht mehr merkten, viele gingen in der Pause). Järvi liess losspielen noch bevor der Applaus verklungen war, nur zweimal (bei fünf Sätzen) gab es kurze Unterbrechungen nach den Sätzen. Fulminant, und für mich wohl ein grosser Schritt dahin, Schumanns Orchestermusik besser zu verstehen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen